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Frankfurt Marathon 2015 – this was my day

Foto: Heldmann

Laufen verbindet, sagt man. Tut es. Frankfurt Marathon 2015, ein Lauf mit ähnlichen Vorzeichen wie im letzten Jahr.


Wieder bin ich mit Martin auf dem Weg nach Südhessen. Dieses Mal allerdings tiefergelegt, wir cruisen gechilled zur Festhalle mit einem MX-5. Vorn im Zeisitzer zwei ambitionierte Läufer, im Kofferraum zwei Sporttaschen. Und Bananen. Womit der Mazda dann auch voll ist.

Es ist eine schöne Fahrt in den Süden. Okay, wir sind nicht wirklich gechilled, zugegeben. Eher etwas aufgeregt, genauso wie im letzten Jahr. Dieses Mal will Martin unter 3:30 Stunden bleiben. Und ich die Sub3 ein zweites Mal knacken, nachdem es in diesem Jahr bereits in Hamburg fast, dann aber in Kassel geklappt hat. Insgeheim hoffe ich auf 2:55 Stunden, Maximalziel.

Noch eine Parallele: Wir werden erneut bei meiner Schwester in Wiesbaden übernachten und dann am Sonntag in aller Herrgottsfrühe nach Frankfurt fahren. Halb so wild: Winterzeit-Umstellung. Wie auch 2014 – eine Stunde länger schlafen. Am Abend mache ich eine leckere Gemüsepfanne mit ordentlich Quinoa, Gesellschaftsspiele runden die letzten Stunden des Taperings ab. Zum Frühstück gibt’s Cornflakes und Martin gesteht mir, dass er nicht ganz satt geworden sei am Vortag. Immer diese Nudelesser. Schlechte Kohlenhydrate ;)

Noch einmal zurück zur Ankunft. Denn eines ist anders in diesem Jahr: Es sind Deutsche und Hessische Meisterschaften – und ich trete mit meinem Verein an. Der PSV Grün-Weiß Kassel ist mit über 30 Läufern am Start, die am Ende ein tolles Ergebnis vorweisen können (hier und hier). Aber ich presche etwas schnell voran, das sollte man nicht tun. Weder in einer Erzählung noch beim Marathon. Da schon gar nicht.

Dieter Baumann und ichMartin und ich trennen uns zunächst. Er hat sich mit Gott und der Welt verabredet und dann noch ein paar andere getroffen, weiß der Teufel, wen alles. Ich treffe meinen Trainer. Und meine Teamkameraden. Und Dieter Baumann, der für einen Selfie herhalten muss (kreiiiisch!). Martin Grüning. Simret Restle-Apel. Die Promis eben. Flori, der eine riesige Fangemeinde im Netz und für seine Entwicklung meinen allergrößten Respekt hat. Und ich treffe den Burschen, für den ich ein paar Wochen zuvor als Pacemaker in Berlin bei seinem erstem 42er fungierte: Behi hat Feuer gefangen und tritt schon wieder mit einer Staffel an. Von dem werden wir noch was hören, wenn er so weitermacht. Nicht, dass er mir noch gefährlich wird…

Denn ich bin im Wettkampfmodus. Es geht nicht mehr nur ums Ankommen. Es geht um die Zeit. Für die Mannschaft. Für einen selbst. Ich weiß, dass da noch Luft nach oben ist. Die 2:59:56 aus Kassel sind gut, mir aber nicht gut genug. Jeder im Team denkt ähnlich. Frankfurt ist schließlich der Saisonhöhepunkt, da sollen die Bestzeiten nur so purzeln. Und vielleicht springt ja auch noch die ein oder andere Medaille dabei raus?

So oder so: Ich bin gewarnt. Im letzten Jahr war ich bei weitem nicht so gut vorbereitet und versuchte – völlig übermotiviert und naiv -, die Sub3 zu knacken. Am Ende war ich nicht nur klüger, sondern völlig fertig, am ganzen Körper verkrampft und um eine Erfahrung reicher, die ich nicht noch einmal machen möchte.

Das bedeutet im Endeffekt, dass man das eigene Potential realisitisch einschätzen und nicht zu schnell angehen sollte. Wunschdenken aus, Faktencheck ein. Dumm nur, wenn der Trainer einen dann zur Seite nimmt und von realistischen 2:50 Stunden redet. Never ever. Oder vielleicht doch? Von wegen.

Race-Day. Es wird ein historischer Tag. Nicht wegen mir natürlich. Aber wegen einem der anderen gut 15.000 Läufer. Arne Gabius wird 2:08:33 nach dem Startschuss den deutschen Rekord gebrochen haben. Für die meisten anderen Läufer ist da das Rennen noch nicht einmal zur Hälfte vorbei. Ich bin immerhin schon bei km31. Und da beginnen die Schmerzen.

Zum Start war noch alles in Ordnung. Ich treffe die Teamkameraden, laufe mich ein und reihe mich rechtzeitig in meinem Block ein, in dem ordentlich von hinten gedrängelt wird. Mensch, Leute, als ob es auf den Meter ankommen würde… Der Frauenanteil sei deutlich in die Höhe gegangen, informieren uns die Verantwortlichen über Lautsprecher. 22 Prozent der Läuferinnen seien mittlerweile weiblich, ein schöner Erfolg. Im Ernst, hat er so gesagt. Rechnet selbst nach ;)

Schöne Begegnung beim Aufwärmen: Ich treffe den Vegan Runner Thomas endlich einmal persönlich, nachdem wir bisher nur über Facebook Kontakt hatten. Die reale Welt sieht nicht anders aus: cooler Typ! Ich selbst muss allerdings wegen der Meisterschaften in den Vereinsfarben laufen.

22364508639_c99e749922_kAber: die Veganer sind im Kommen! Denn kaum ist der erste Kilometer rum, sehe ich schon Katrin und Daniel vom großartigen Blog BeVegt.de, wie sie die Läufer lautstark anfeuern. Dabei kenne ich doch sonst keinen in Frankfurt. Den beiden werde ich noch zweimal auf der Strecke begegnen und sie werden einfach nicht leiser. Großes Kino, Leute, so muss das sein! Eat clean, be strong, run free. Klappt gut. Lange Zeit.

Meine Kraft lässt nach. Als ob ich sie Gabius geliehen hätte, schwindet sie mit km31. Genauer gesagt: Ich habe Rückenschmerzen. Ich werde langsamer. Beiße auf die Zähne, recke die Arme in die Höhe. Versuche, tief durchzuatmen und mich zu strecken. Dann kommt Udo auf dem Rad vorbei. Er sieht meine Probleme. Udo ist Trainer beim PSV und rät mir, die Körperhaltung zu variieren. Nach vorne, nach hinten. „In ein paar Kilometern ist das weg“, ruft er. Autsch. Ich denke kurz an Aufhören. Die Alternative zum Schmerz. Der Kopf sagt ja, das Herz sagt nein. Weiter geht’s.

Udo behält Recht. Sechs Kilometer später geht es wieder. Nur ist die bravourös herausgelaufene Zeit im Eimer. Die Hälfte der Strecke hatte ich in 1:27 Stunden passiert, der zweite Halbmarathon wird am Ende mit 1:31:51 um einiges langsamer (Splits siehe unten). Nüchtern betrachtet war es nicht nur der Rücken – wieder bin ich etwas zu schnell angegangen. Da schwirrte irgendwo dann doch eine 2:50 im unvernünftigem Kopf herum. Jetzt dreht sich das Rennen um die Sub3. Um eine neue persönliche Bestzeit.

Aufi, mein Trainer, steht an der Strecke, es sind nur noch zwei Kilometer. Ich kriege viel mehr mit als im letzten Jahr, wo ich mich an das Ende des Rennens kaum mehr erinnern kann. Aufi schreit mich ins Ziel. Ein gutes Gefühl, ich kann noch etwas zulegen. Auf dem Rennvideo, später, sieht diese Beschleunigung albern aus. Aber gefühlt war sie wie ein Raketenstart. Mit der Explosion in der Festhalle.

Ich sehe die Uhr. 2:58:52 lese ich und die Zeit, sie läuft weiter. Die Bruttozeit! Der Moment, in dem ich realisiere, eine neue Bestzeit gelaufen zu sein. Ein letzter Spurt. Und dann ist da Kurt. Der Mann im Ziel, wie im letzten Jahr. „Deutlich unter drei Stunden“, ruft er mir zu. Kurt ist ganz oben).

Im Ziel: Achim Achilles hat Durst.

Im Ziel: Achim Achilles hat Durst.

2:58:50 Stunden ist am Ende die Nettozeit. Das reicht für den 927. Platz gesamt, den 163. Platz in meiner Altersklasse und den 2. Platz in der Mannschaftswertung der Hessischen. Das weiß ich in diesem Moment noch nicht. Ich weiß nur, dass ich happy bin. Ich freue mich. Mit all denen, die ich im Ziel treffe. Und für all die, die nach mir einlaufen. Martin ist darunter – er hat seine Bestzeit geschafft. Wir treffen Achim Achilles und machen ein Foto. Der Mann ist immerhin eine Legende nicht nur unter laufenden Journalisten.

Und dann ist da noch Mike Kleiß. Mike ist Läufer, Kolumnist und hat als solcher vor einiger Zeit einen Selbstversuch gemacht, als er sich vier Wochen im Training vegan ernährte und darüber berichtete. Mit einem Fazit, dem ich nicht zustimme und einer Erfahrung am eigenen Körper, die ich anders erlebe. Jeder ist anders.

Was Mike erlebte, war auch anders. So ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte. Übelste Beschimpfungen. Gar Morddrohungen. Wegen einer Kolumne, bei der die meisten veganen Hater wahrscheinlich noch nicht einmal wissen, um was für eine journalistische Gattung es sich dabei handelt. Es ist beschämend. Und wirft ein schlechtes Licht auf die breite Masse an Veganern, die sich anders engagieren und auf diese Weise viel mehr bewirken.

Wie Katrin und Daniel. Wie Thomas. Und auch ich, wie ich hoffe. Sorry, Mike. Keep on running, auch mit uns Veganern. Ich bin gern an deiner Seite!

Und freue mich auf 2016 in Frankfurt, wenn das Treffen mit Thomas bevorsteht. Der nächste bisher nur über Google+ und Facebook bekannte Läufer, mit dem ich mich leistungstechnisch auf Augenhöhe bewege. Zusammen rocken wir dann Mainhattan, mein Freund!

Gratulation an alle Finisher.

P.S.: Ab sofort beginnen die Stabi- und Fitnessübungen!

Splits

Split Tageszeit Zeit Diff min/km km/h
5 km 10:21:18 00:20:23 20:23 04:05 14.72
10 km 10:42:01 00:41:06 20:43 04:09 14.48
15 km 11:02:32 01:01:37 20:31 04:07 14.62
20 km 11:23:22 01:22:28 20:51 04:11 14.40
Halb 11:27:54 01:27:00 04:32 04:09 14.50
25 km 11:44:12 01:43:17 16:17 04:11 14.37
30 km 12:05:27 02:04:33 21:16 04:16 14.11
35 km 12:27:25 02:26:31 21:58 04:24 13.66
40 km 12:50:04 02:49:10 22:39 04:32 13.24
Netto 12:59:45 02:58:50 09:40 04:25 13.62
Kategorie: Blog

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(* 1973). Ich lebe seit Ostern 2012 vegan. Neben dieser Seite engagiere ich mich ehrenamtlich für den Tierschutz in meinem Tierschutzportal hunde-in-not.com. Ich habe vier Hunde, einen Vitamix und eine Frau, die für meinen Sinneswandel und meine Tierliebe verantwortlich ist. Seit 2012 mache ich Ausdauersport, an meinem 40. Geburtstag am 12. Mai 2013 lief ich meinen ersten Marathon in meiner Heimatstadt Kassel. Meine aktuelle Marathon-Bestzeit liegt bei 2:54:11 Stunden (aufgestellt in Frankfurt 2015). 2016 habe ich meinen ersten 100km-Lauf absolviert in 9:14 Stunden.

2 Kommentare

  1. Wenn ich das so lese, muss ich mich anscheinend auch 2016 wieder für Frankfurt entscheiden. Da wird man ja schon wehmütig, kurz nachdem das Ereignis rum ist! :)

    • Das ist die richtige Einstellung, Martin :) Aller guten Dinge sind schließlich drei. Außerdem ist es ja auch gar nicht mehr weit bis zum Frankfurt Marathon Club, da darf man keinen auslassen :P

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