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Im Test: Mizunos Minimalschuh Wave Hitogami 2

Mizuno Wave Hitogami 2

„Übernatürliche Geschwindigkeit“, so bewirbt der japanische Sportartikelhersteller Mizuno seinen neuen Wettkampfschuh. Der Wave Hitogami 2, Nachfolger der Modelle Ronin und Musha, hält, was er verspricht.

Was für ein Debüt!

Normalerweise sollte man unter keinen Umständen ein wichtiges Rennen in neuen, nicht eingelaufenen Schuhen absolvieren. Ausnahmen bestätigen die Regel: Einmal erst hatte ich mit dem Hitogami 2 trainiert. Danach war sofort klar, dass sein zweiter Einsatz direkt beim Halbmarathon in Paderborn folgen sollte – so gut fühlte sich der Schuh an, so schnell war er.

Osterlauf in Paderborn mit den Mizuno Hitogami 2. Foto: Laufpix.de

Osterlauf in Paderborn mit den Mizuno Hitogami 2 (rechts im Bild). Foto: Laufpix.de

Im Rennen selbst erfüllte Mizunos Performance-Modell nicht nur alle Erwartungen, es übertraf sie sogar. Mit 1:21:42 Stunden über die Halbmarathondistanz war ich mehr als fünf Minuten schneller als im vergangenen Jahr und belegte am Ende auch Platz 47 von über 2000 gemeldeten Teilnehmern, Platz 5 in der AK 40. Neue persönliche Bestzeit. Und: Neuer persönlicher Lieblingsschuh.

Aber von vorn.

Vibrant Design – dynamisch, kräftig, pulsierend

Der Postmann hatte kaum zweimal geklingelt, da war der Karton schon geöffnet: Siehe da, ein paar Schuhe, das bereits rein optisch ein Gewinner ist. Blau-schwarze Sohle und Schnürsenkel, künstlerisch gemustertes Obermaterial in knalligen Orange-Tönen, schwarzes Logo, Lasche und Innenschuh – offiziell nennt sich die Farbkombination Vibrant Orange, Black und Diva Blue.

Vibrant, also dynamisch, pulsierend, kräftig ist das Orange allemal. So ist das gesamte Design dieses ins Auge stechenden Schuhs, das inspiriert ist vom traditionellen japanischen Kabuki-Theater. Mizunos Wave Hitogami 2 ist ein echter Hingucker, den man sich am liebsten ins Regal stellen würde statt ihn auf Wald, Wiesen und Straßen schmutzig zu laufen.

Von wegen!

Ich hatte eigentlich gar nicht vor, an diesem Tag laufen zu gehen. Es regnete. Es war windig. Und dann diese schönen, sauberen, neuen Schuhe… Doch ich war neugierig. Nicht zuletzt deswegen, weil ich auf Runomatic gelesen hatte, dass der Hitogami „bretthart“ sei und er auf den Asphalt „knalle“. Klang genau nach einem Modell für mich – aufgepasst, Läufer, ein neuer Schuh ist in der Stadt!

Ich laufe seit jeher mit wenig Dämpfung. Halbmarathondistanzen war ich schon mal mit dem Nike Free unterwegs, ich renne von Zeit zu Zeit mit dem Barfußmodell Leguanos über Stock und Stein, mein aktueller Marathonschuh ist Sauconys Type A6 und Restbestände von Brooks Öko-Klassiker Green Silence, der leider nicht mehr produziert wird, kaufe ich auf, wann immer ich sie sehe.

Jetzt also lachte mich dieser Performance-Schuh mit minimaler Dämpfung an. Schnell noch ein paar Fotos gemacht und los ging es. Und aus einem geplanten kurzen, ruhigen Testlauf wurde prompt ein zügiges Training über die Halbmarathondistanz mit allem, was dazu gehört: Straße, Steine, Wald, Wiese, hoch und runter bei Sonne und Regen.

Ein stabiles Leichtgewicht

Kaum drin im Schuh fiel mir das Gewicht auf: Der Hitogami 2 ist mit 261 Gramm bei Größe 46 ein Schwergewicht im Vergleich zum Type A6 mit 189 Gramm. Während letzterer ohne Verstärkungen auskommt, sind diese im Hitogami-Obermaterial eingebaut. Das wirkt sich natürlich auch auf das Gewicht aus. Aber auch auf die Stabilität: Man „steht richtig drin“ im Schuh, der den Fuß perfekt umschließt und dem Läufer ein sicheres Gefühl bietet – auch, wenn der Laufstil mit zunehmender Erschöpfung etwas unsauberer wird. Das ist allemal ein paar Gramm mehr wert.

„Wenn die Schuhe recht sind, vergisst man die Füße.“
Tschuang-tse

Schon nach den ersten Kilometern hatte ich völlig vergessen, in komplett neuen Schuhen zu laufen. Und mir war es auch egal, dass das vollendete Design durch braune Matschflecken zerstört wurde. Ich wurde automatisch schneller, weil der Hitogami 2 langsames Laufen im Grunde gar nicht erst zulässt. So wurde aus einem geplant entspannten GA1-Lauf im 5-Minuten-Tempo eine Pace von 4:30 min/km. Immer gut durchlüftet durch das atmungsaktive und kühlende AIRmesh Obermaterial, das insbesondere bei warmen Temperaturen gute kühlende Dienste leisten wird. Wie sich selbiges im Winter anfühlt, vermag ich noch nicht zu sagen. Aber auch bei frischen Frühlingstemperaturen wurde es nicht zu kalt am Fuß. Und weil es so schön lief, fast schon vertraut, so ganz und gar gut angezogen, wurden aus geplanten 10-12 Kilometern aus dem Stand 21.

Ohne jegliche Probleme.

Das wird sicher nicht jedem so gehen. Der Hitogami 2 ist ein Minimalschuh, an den sich Läufer, die ein Plus an Dämpfung bevorzugen, erst einmal gewöhnen müssen. Er zwingt regelrecht dazu, Mittel- und Vorfuß zu betonen und ist ziemlich direkt im Bodenkontakt. In meinen Augen ein großes Plus, weil man dadurch gleichzeitig seinen Laufstil verbessern kann, die leicht nach vorn fallende, aufrechte Haltung erwirkt, die nicht nur Gelenke schont, sondern auch schneller macht.

Gänzlich ungedämpft ist der Hitogami natürlich nicht, im Gegenteil. Mizunos Wave-Technologie sorgt auch beim Hitogami 2 dafür, dass die Aufprallkräfte über die gesamte Sohle verteilt werden. Trotzdem sollten schwergewichtige Läufer – zumindest für die Marathondistanz – einen anderen Schuh wählen.

Raus aus den Tretern. So manches Mal hatte ich bereits nach kürzeren Distanzen Blasen an den Zehen oder an der Ferse. Nicht so jetzt. Vorn ist im Hitogami 2 reichlich Platz für die Zehen (auch hier gilt: Laufschuhe immer eine Nummer größer kaufen), hinten bietet die Fersenkappe einen guten Halt. Keine Druckstellen am Spann, also auch keine Probleme mit der Schnürung. Alles sitzt.

Was mich nach dem ersten Lauf zu der Entscheidung führte, den Hitogami 2 direkt beim anstehenden Osterlauf in Paderborn einzusetzen. Ich lag nicht falsch mit diesem Entschluss. Im Rennen spürte ich den Schuh kaum am Fuß und fühlte mich stets sicher und stabil beim Lauf, auch, als gegen Ende die Kraft und Konzentration etwas nachließen. Nun überlege ich ernsthaft, den Hitogami 2 direkt auch beim Haspa Marathon in Hamburg einzusetzen. Was insofern interessant ist, als dass Mizuno offizieller Sponsor dieses Laufs ist und extra dafür einen ganz anderen Schuh bewirbt: den Wave Rider 18 in der Hamburg Special Edition zum 30. Geburtstag dieses Rennens. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Fazit: Ein echter Renner

Mizunos Wave Hitogami 2 ist ganz eindeutig ein Renner. Sowohl in Sachen Optik als auch in Sachen Wettkampf. Da eignet er sich hervorragend für kürzere als auch und im besonderen längere Distanzen und empfiehlt sich zudem für schnelle Trainingseinheiten. Wer diesen Schuh läuft, sollte einen halbwegs sauberen Laufstil über Vor- oder Mittelfuß beherrschen und keine Fußfehlstellung haben. Dann ist er sicher auch als Variante für Läufer interessant, die bisher eher Neutralschuhe einsetzen. Klare Empfehlung für alle, die es etwas schneller und direkter haben wollen.

P.S.: Das Beste daran: Mizunos Laufschuhe werden laut veganrunners.org ohne Leder und tierische Kleber hergestellt, sind also vegan. Run free, folks!

Transparenz-Hinweis

Die Werbeagentur von Mizuno Deutschland hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf den Testbericht hatte das keinen Einfluss, es gab keinerlei Vorgaben und der Artikel entspricht meiner persönlichen Meinung.

Mizuno Wave Hitogami 2

115
Mizuno Wave Hitogami 2
9.3

Passform

9/10

    Design

    10/10

      Stabilität

      10/10

        Verarbeitung

        10/10

          Spaßfaktor

          9/10

            POSITIV

            • optisch ein Hingucker
            • forciert guten Laufstil
            • gut durchlüftet
            • sehr direkter Bodenkontakt

            NEGATIV

            • könnte noch leichter sein
            Kategorie: Blog

            von

            (* 1973). Ich lebe seit Ostern 2012 vegan. Neben dieser Seite engagiere ich mich ehrenamtlich für den Tierschutz in meinem Tierschutzportal hunde-in-not.com. Ich habe vier Hunde, einen Vitamix und eine Frau, die für meinen Sinneswandel und meine Tierliebe verantwortlich ist. Seit 2012 mache ich Ausdauersport, an meinem 40. Geburtstag am 12. Mai 2013 lief ich meinen ersten Marathon in meiner Heimatstadt Kassel. Meine aktuelle Marathon-Bestzeit liegt bei 2:54:11 Stunden (aufgestellt in Frankfurt 2015). 2016 habe ich meinen ersten 100km-Lauf absolviert in 9:14 Stunden.

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