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Brendan Brazier im Interview: Höchstleistungen mit Pflanzenkost

Der Kanadier Brendan Brazier ist nicht nur Ironman-Triathlet und für Extremleistungen bekannt, er ist auch seit seinem 15. Lebensjahr Veganer und Erfinder der Thrive Diät.

Stimmt es, dass Sie Hugh Jackmanns Veggie-Coach sind?
Ja, ich bin sein Ernährungscoach. Ein Freund von mir ist sein Personal-Trainer. Ich gebe also nur die Ratschläge für seine Ernährung. 2009 musste sich Hugh für die Rolle des Wolverine 20 Pfund Muskelmasse antrainieren. Früher hat er für seine Rollen Muskelmasse zugelegt, in dem er viel tierisches Eiweiß und Kohlenhydrate zu sich genommen hat. Dabei fühlte er sich nicht gut, hatte keine Energie, aber dafür Entzündungsprobleme und war schwerfällig. Mein Buch lag schon länger auf seinem Schreibtisch, bevor er es zu lesen begann.

Was hat Jackman an der Thrive-Diät am Besten gefallen?
Er stellte schnell fest, dass er sich viel fitter fühlte und ihm mehr Energie zur Verfügung stand. Er brauchte keinen Kaffee mehr. Sein Verlangen nach Zucker und Salz gingen stark zurück. Und er kam nicht so schnell außer Atem. Das fand er besonders gut, denn Hugh tritt ja öfters am Broadway auf. Er sagte, dass sein Tanz- und Energielevel seitdem sehr viel besser seien. Außerdem ist sein Schlaf tiefer und erholsamer geworden.

Hat Hugh Jackmann während der Thrive-Diät komplett auf Fleisch verzichtet?
Während des Coachings für Wolverine aß er ab und zu Fleisch. In der Zwischenzeit ist Hugh Jackmann auf dem besten Weg, ein Veganer zu werden.

Haben Sie auch andere Stars oder Athleten beraten?
Ich war Ernährungscoach unter anderem für Simon Whitfield, kanadischer Triathlet und Olympiasieger, dann für Aaron Simpson sowie Basketball-Spieler Brian Roberts (MLB All Star). Dann ist da noch David Zabriskie Profi-Radrennfahrer und Tour de France-Etappen-Gewinner.

Woher nahmen Sie Ihre Motivation für vegane Ernährung?
Als ich auf der High School war, habe ich beschlossen, dass ich am Ironman- Triathlon professionell teilnehmen möchte. Da stellte sich die Frage; wie hole ich das Beste aus mir raus, um Profisportler zu werden? Das brachte mich dazu nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, wie ich meinen Traum verwirklichen kann.

Ich orientierte mich an anderen Sportlern und merkte schnell, dass die Programme der Spitzensportler sich wenig von denen der Durchschnittsathleten unterscheiden ließen. Nach einiger Zeit wurde mir klar, dass die Routine eines Sportlers aus Training und Erholung besteht. Das heißt, auf Trainingsphasen muss Ruhe folgen, denn dies ist gleich wichtig.

Meine Aufmerksamkeit galt deshalb der Ernährung und den Erholungsphasen. Denn je mehr ich mich auf vegane Ernährung einließ, desto kürzer und effektiver waren die Erholungspausen. Damit konnte ich in der gleichen Zeit mehr trainieren und mich somit schneller verbessern.

Haben Ihre Eltern Sie inspiriert?
Nein, ich wollte der beste Athlet sein und daraus habe ich gelernt, meine Ziele zu entwickeln, wie sie heute sind.

Was haben Ihre Eltern gesagt, als Sie beschlossen Profi-Sportler zu werden?
Na ja, meine Mutter war ein wenig besorgt. Wie die meisten Eltern, wünschte sie sich einen Beruf für mich, der mehr Zuverlässigkeit und Sicherheit bietet. Am Anfang war es nicht einfach, sie davon zu überzeugen, dass ich Profi-Sportler werden möchte. Aber nach der Highschool begann ich Vollzeit zu trainieren und fühlte mich gut dabei. Meine Mutter überzeugte letztlich mein starker Wille, es einfach zu tun.

Wie lange haben Sie an dem Thrive Konzept gearbeitet bis es perfekt war?
Mit 15 Jahren, da besuchte ich noch die High School, habe ich angefangen nach Ideen zu suchen. Ich habe diese immer und immer weiterentwickelt. Schon 2004 veröffentlichte ich ein kleines Booklet mit nur 80 Seiten über meine Ernährungslehre.

Bis dahin las ich unter anderem viele Berichte über das Thema, habe mich mit vielen Profis im Kraft- und Ausdauersport unterhalten, probierte verschiedene Ernährungsweisen aus, versuchte es mit verschiedenen Diäten, las ernährungswissenschaftliche Studien und medizinische Journale. Nur so konnte ich mir das Wissen, das ich heute habe, erarbeiten und formte über Jahre meine Thrive Diät. Die aktuelle Version veröffentlichte ich 2007. Die Grundregeln der Diät sind bis heute gleich geblieben.

Wie haben Sie mit veganer Ernährung gestartet?
Ich begann mit nährstoffreichen Drinks. Sie enthielten pflanzliche Proteine, essentielle Fette, Ballaststoffe, grünes Blattgemüse und Probiotika. Ich bemerkte, dass ich mich sehr viel schneller nach dem Training erholen konnte, schneller als meine Teamkameraden. Ich hatte also Erfolg und machte einfach mein Ding weiter.

Wie haben Sie es als Teenager geschafft, neben Schule sowohl zu trainieren als sich auch noch das Essen zuzubereiten?
Ich musste sehr viel lernen. Während der Highschool-Zeit habe ich morgens vor der Schule und abends nach der Schule trainiert. Und ja, ich habe viel Zeit mit Essenszubereitung verbracht. Oft habe ich mir eine große Gemüsepfanne gemacht oder eine große Schüssel mit Salaten zubereitet. In der Zeit aß ich auch viel Tofu. Ja, es war viel Arbeit, aber ich habe gute Ergebnisse erzielt, deswegen bin ich drangeblieben.

Woher nahmen Sie die Inspirationen für Ihre Rezepte?
Anfang der 90er gab es kaum etwas über vegane Ernährung. Deswegen habe ich mir viel selber ausgedacht und viel über Ernährung recherchiert. Ich habe herausgefunden, was mir fehlt: basische (pflanzliche) Proteine, Vitamin B12, hochwertiges Calcium. Dann recherchierte ich, welche Lebensmittel mir was liefern können. Wo konnte ich diese Lebensmittel kaufen? Also machte ich mich auf die Suche nach Bezugsquellen für richtig gute vollwertige, nährstoffreiche Lebensmittel wie z. B. Hanf oder Leinsamen. Diese Rohstoffe waren dann die Basis für meine Rezepte. Damals ging es mir nur um die Effektivität der Nahrung, der Geschmack war mir damals egal.

Also haben Ihre ersten Kreationen nicht besonders lecker geschmeckt?
Ja, tatsächlich haben die ersten Gerichte nicht sehr gut geschmeckt. Wie gesagt, es ging mir damals nur um die richtige Ernährung bzw. den richtigen Nährwert. Aber ich habe an den Rezepten gefeilt, mit der Zeit schmeckten sie immer besser, weil ich auch lernte, Zutaten zu verbinden, die geschmacklich gut miteinander harmonieren. Heute muss kein Veganer mehr auf Genuss verzichten!

Wie viele Ihrer Bücher wurden in Amerika von Ihnen veröffentlicht?
Vier Bücher wurden bis jetzt in den USA veröffentlicht.

  1. Thrive
  2. Thrive Fitness (Workout Programm)
  3. Thrive Foods ( darin schaue ich darauf, welche Umweltressourcen in der Lebensmittelproduktion verwendet werden, inklusive 200 Rezepten)
  4. Thrive Energy Kochbuch (erschienen im März 2014, 150 Rezepte mit 100 bunten Fotos)

In Deutschland gibt es einen regelrechten Vegan-Hype. Ist es in den USA ähnlich?
Ja, vegane Ernährung wird auch in den USA und Kanada immer beliebter. Nicht alle Leute werden ganz Veganer. Viele Athleten und Profisportler ernähren sich nicht komplett vegan, aber sie gehen immer mehr in diese Richtung und ernähren sich nach der Thrive Diät. Auch wenn sie noch Fleisch essen, essen sie viel weniger als vorher und fühlen sich dabei viel besser.

Können Sie uns einen Tipp geben, wie man am besten seine Ernährung umstellt?
Langsam anfangen macht Sinn. Mit nur einer veganen Mahlzeit oder einem Snack pro Tag. Ich kann Smoothies für den Start sehr empfehlen, deswegen gibt es auch eine Menge leckerer Smoothie-Rezepte in meinem Buch. Man kann je nach Saison unterschiedliche Früchte verwenden, also immer wieder variieren.

Ein Smoothie am Tag ist ein guter Anfang. Die Geschmacksknospen und die Essensvorlieben ändern sich ganz allmählich und man fängt an, Lust auf richtig Gesundes zu entwickeln.

Was ich auch sehr gerne mag, sind die Pizzas aus meinem Buch. Sie schmecken sehr lecker und sie enthalten viele vollwertige Nährstoffe, wie Samen, Nüsse, Hülsenfrüchte und Gemüse.

Häufig hört man, dass bei einer veganen Ernährung Nährstoffe wie Calcium oder B12 fehlen.
Viele Leute meinen, dass Calcium, Eisen, Protein, B12 bei veganer Ernährung fehlen. Das stimmt nicht, die Leute sind einfach falsch oder nicht informiert! Calcium z. B. ist in grünem Blattgemüse, Spinat und Grünkohl oder Sesam enthalten. Protein liefert Hanf, Leinsamen und grünes Gemüse. Eisen ist in Kürbiskernen enthalten. Algen wie Spirulina und Chlorella heißen nicht umsonst Superfood und tauchen auch bei meiner Thrive Diät auf.

Das Interview führte Signe Sachisthal. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Narayana Verlags. Buchempfehlung zum Thema: „Vegan in Topform – Das Kochbuch“ von Brendan Brazier. ISBN: 978-3-944125-17-6

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(* 1973). Ich lebe seit Ostern 2012 vegan. Neben dieser Seite engagiere ich mich ehrenamtlich für den Tierschutz in meinem Tierschutzportal hunde-in-not.com. Ich habe vier Hunde, einen Vitamix und eine Frau, die für meinen Sinneswandel und meine Tierliebe verantwortlich ist. Seit 2012 mache ich Ausdauersport, an meinem 40. Geburtstag am 12. Mai 2013 lief ich meinen ersten Marathon in meiner Heimatstadt Kassel. Meine aktuelle Marathon-Bestzeit liegt bei 2:54:11 Stunden (aufgestellt in Frankfurt 2015). 2016 habe ich meinen ersten 100km-Lauf absolviert in 9:14 Stunden.

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