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Der Trick an der Motivation: Die Frage nach dem Wie

Ich werde oft gefragt, wie ich mich motiviere. Wie ich es schaffe, regelmäßig zu laufen und dran zu bleiben? Was ist der Trick?

Ich antworte meist das Gleiche, merke aber, dass das nicht immer verständlich ist. Zum Einen kennen mich die meisten ja nicht persönlich. Sie können dann das Gesagte gar nicht richtig einordnen. Wenn mich gute Freunde fragen, wie ich es schaffe so viel zu laufen, und ich kurz und knapp antworte: „Weil es mir Spaß macht“, dann verstehen die das in den allermeisten Fällen. Weil sie wissen, wer ich bin, und meist auch einordnen können, warum mir das Spaß macht.

Zum anderen fehlt mir meist gerade die Zeit so weit auszuholen, wie es zur Beantwortung der Frage nötig wäre. Hier im Blog, abends auf der Couch, ist es einfacher. Manches braucht halt seine Zeit…

Also, was motiviert mich?

Ich habe meinen Freund gefragt, was er glaubt, was mich motiviert. Ganz ehrlich. Und er hat geantwortet: „Weil es Dich glücklich macht. Weil Du nach dem Laufen so ausgeglichen, entspannt und voller Freude bist, wie sonst selten. Man kann sagen, es ist Teil deiner „Suche nach Glück“. Und dann wegen der Gesundheit. Und zu guter Letzt, weil Du ein Ziel haben, darauf hin arbeiten, und dieses auch erreichen willst. In dieser Reihenfolge.“

Er hat recht. Absolut. Wir kennen uns schon zu lange… ;)

Ich könnte nichts auf Dauer machen, voller Motivation, wenn ich nicht daran glauben würde, dass es mich irgendwie glücklich machen kann. Das ist aber sehr persönlich.

Man kann eben nicht per se sagen „Laufen macht glücklich“. Das stimmt so einfach nicht. Zumindest nicht immer und nicht sofort. Es ist schon so, dass man erst einmal durch eine gewisse Anfangsphase durch muss. Ein großer Läufer hat mal gesagt, ich glaube es war Werner Sonntag: „Am Anfang macht Laufen erst nach dem Laufen Spaß. Man freut sich, dass man es getan hat und ist zufrieden, weil man es geschafft hat. Später dann, nach ein paar Wochen, stellt sich die Freude schon während des Laufens ein.“ So, oder so ähnlich hat er es gesagt, und das kann ich zu 100% unterschreiben. Also werft nicht gleich die Flinte ins Korn, oder die Laufschuhe in die hinterste Ecke in den Keller, wenn es erst einmal sehr anstrengend ist und vielleicht auch wehtut. Gebt Euch und dem Körper Zeit, es lohnt sich. Aber das ist ein eigenes Thema, vielleicht gehe ich da noch einmal genauer darauf ein, in einem späteren Blogeintrag.

Viele laufen aber auch aus ganz anderen Gründen. Manche wegen der Gesundheit, andere wegen dem Gewicht. Wiederum andere als Ausgleich zu ihrem Bürojob. Die Motivation der Läufer ist so unterschiedlich wie die Laufschuhe, die sie tragen. Es gibt nicht DEN Laufschuh und so gibt es auch nicht DIE Motivation.

Wenn mich also jemand fragt, wie er sich motivieren kann, dann müsste ich als erstes zurückfragen: Was willst DU denn? WAS motiviert DICH?

Laufen ist für mich eine Art „Reifeprozess“. Eine Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen. Wie ticke ich, wenn es mal schwierig wird? Wie ticke ich, wenn es nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe? Wie motiviere ich mich?

Das würde ich mal ganz an den Anfang stellen. Die Frage nach MEINER Motivation, nach MEINEN Zielen. Nicht, was ANDERE toll finden und was ANDERE motiviert. Bloß weil Suza sich nichts Schöneres an einem Sonntag vorstellen kann, als 25km durch den Wald zu joggen, muss das doch nicht auch mich erfreuen, oder?

Nehmen wir jetzt mal an, dass meine Standardantwort auf meine Motivation „Weil es mich glücklicher macht“ lautet. Jetzt fragt mich aber jemand, der nicht wirklich Freude beim Laufen empfindet. Kann ihn dann meine Antwort, meine Motivation, weiter bringen? Ich denke nicht.

Aber es sind ja 3 Motivationen.

1) Die Suche nach Glück

Wieso macht mich Laufen auf eine Gewisse Art „glücklich“? Schwierig zu beantworten. Aber ich versuche es mal. Ich bin vom jemand, der immer auf Hochtouren läuft. Wenn ich arbeite, dann arbeite ich. Wenn ich feiere, dann feiere ich. Ich mache, was ich mache, meistens sehr extrem. So bin ich halt und ich habe da noch nicht meine „Mitte“ gefunden. Aber Laufen hilft mir da auch wieder von meinem Trip runterzukommen. Wenn ich den ganzen Tag gearbeitet habe, danach eingekauft, gekocht und die Wohnung geputzt, dann komme ich ohne Laufen nicht runter. Ich entspanne ganz schlecht. Laufe ich dann ein paar km, dann hilft mir das umzuschalten. Von „Flucht und Antrieb“ auf „Entspannung und Ruhe“. Es fühlt sich an, als würde ich das „Zeug“ irgendwie rauslaufen. All die Gedanken, die Sorgen, die Kopfschmerzen – was auch immer – verschwinden mit jedem km den ich weiter laufe. Erfahrungsgemäß stellt sich bei mir nach 7km endlich Ruhe im Geist ein. Ich fahre runter. Plötzlich sehe ich die Natur, nehme die Schönheit der Welt um mich herum wahr. Bin mehr im Hier und Jetzt. Ich bin nicht mehr in mir selbst gefangen, sondern richte den Blick auf die wunderbare Welt da draußen. Letztlich ist es immer noch MEIN Blick auf die Welt, aber genau dieser verändert sich. Komme ich dann nach Hause, bin ich glücklicher, entspannter und zufriedener als vorher.

Da ich das weiß, dass es so ist, brauche ich mich nicht allzu sehr motivieren. Ich will Glück – und da draußen, in Bewegung, bekomme ich es. Ganz einfach.

2) Gesundheit

Glück ist das Zuckerbrot und jetzt kommt die Peitsche. ;) Auch da kann ich mich nicht mit jedem vergleichen, denn ich habe etwas erlebt, was ich niemandem wünsche. Ich war sehr krank. Aus dieser ganzen Geschichte habe ich vieles gelernt und es hat mich verändert. Eins davon ist: Man kann körperlich schwer krank sein und man merkt es nicht. Man will das nicht sehen und glaubt eher an Überarbeitung oder Lebenskrise, als dass man einen ernsthaften Gedanken daran verschwendet, dass etwas Ernstes hinter den Symptomen stecken könnte. Damit ich aber nicht zum Hypochonder mutiere, der jedes Mal bei Kopfschmerzen oder ähnlichem sofort an Krebs denkt, brauche ich ein gutes Körpergefühl. Denn, wie gesagt, der Geist veräppelt sich gerne selber. Der Körper lügt nicht. Das kann er gar nicht. Wenn ihm was fehlt, und sei es auch nur so etwas Banales wie Schlaf, dann drückt er das aus. Ganz einfach. Im Alltag, am Schreibtisch, kann man das „übersehen“ und es nicht wahrnehmen. Aber beim Laufen, wenn man das schon länger macht und weiß, wie man sich sonst so fühlt, oder der Puls sich verhält usw., da hat der Geist weniger Chancen. Hast Du ein körperliches Problem, egal welcher Ursache, dann bekommst Du das beim Laufen präsentiert. Man spürt es. Man spürt die Erkältung schon, bevor sie da ist. Und Tempotraining ohne genügend gegessen und getrunken zu haben, wird zu einer Tortur bzw. ist nicht möglich.

Das sind meine primären „Gesundheitsgründe“. Der Rest, wie z.B. bessere Kondition und weniger Stress im Alltag stellt sich nebenbei ein. Das und vieles andere passiert, wenn man regelmäßig läuft. Und darüber gibt es weiß Gott genügend Literatur… ;)

3) Ein Ziel, darauf hin arbeiten und es erreichen

Das sind meine Wettkämpfe. Es ist einfach riesig, wenn man ein so großes Projekt, wie einen Marathon anpackt und durchzieht. Das macht auf vielen Ebenen etwas mit einem. Psychisch passiert da viel mehr als besseres Selbstbewusstsein. Wie ich oben schon schrieb, ist Laufen für mich eine  Art Reifeprozess. Und in Verbindung mit solch einem Projekt noch viel intensiver. Ich habe in der Zeit der Vorbereitung auf den Marathon mehr über mich, meine Stärken und meine Schwächen gelernt, als in jeder Psychotherapie. Ich möchte nicht nur älter, sondern auch weiser werden. Möchte nicht stehen bleiben, sondern mich entwickeln. Dazu gehört, dass ich mich selbst sehr gut kennenlerne. Nur dann kann ich effektiv mit mir arbeiten. An meinen Schwächen, an meinen Fehlern und an meinen Stärken. An der Verwirklichung meiner Träume, an der Erreichung meiner persönlichen Ziele. Es ist sehr spannend, dieses mysteriöse „Ich“ zu erforschen…

Ich wünsche Euch sehr viel Freude, Gesundheit und persönliche Entwicklung! Egal wie. Ob nun beim Laufen, Skateboarden oder beim Wrestling…

Foto: dailymotivation on Flickr (CC BY 2.0)

Kategorie: Blog

von

*1973, seit November 2012 ernähre ich mich vegan. Ich habe einen Mann, 2 Kinder, einen Hund und 2 Katzen und bin begeisterte Läuferin. Im Oktober 2013 bin ich in Magdeburg meinen ersten Marathon gelaufen und bereite mich gerade für den Rennsteig-Marathon im Mai 2014 vor.

2 Kommentare

  1. Tina Stoll sagt

    hi suza,
    das war jetzt sehr interessant zu lesen. und ich bin da in vielen punkten ganz deiner meinung.

    einen schönen sonntag noch – tina :D

  2. Susu sagt

    … danke für diese wundervollen Zeilen :-) Ich wünsche dir all Zeit Sonne im Gesicht und den Wind im Rücken! Susu (fb: Matcha Häschen)

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